Loliondo – Babus Tasse

Posted on Juni 9th, 2011 in Allgemein by georg

alt

Da das Thema schon seit ein paar Monaten in aller Munde ist, u.a. auch schon auf dem ein oder anderen Blog erschienen, ist es zwar schon ein bisschen alt, für viele Leute jedoch noch immer heiß. In Loliondo an der Grenze zu Kenia gibt es einen alten Mann (Babu), der zwar (noch) nicht die Formel für die Unsterblichkeit gefunden hat, durch Gotteserscheinung im Traum jedoch ein Rezept für eine Kräutermischung erhielt mit der sich jede Krankheit heilen lässt. Aids, Krebs, Diabetes etc. inklusive. Der Mann (Babu) heißt Ambilikile Mwaisapile, ist 76 Jahre alt und Pfarrer in Rente für eine evangelische Kirche.

„According to Rev. Mwaisapile, God instructed him through dreams since 1991 about the medication and that, it will heal people with chronic illnesses. He said the dream kept recurring to him several times since then and on August 26, last year; he decided to obey on the instructions and started the healing work.” (Daily News Online Edition)

 

Gottes Anweisung enthält außerdem, dass der Preis pro Tasse nicht höher sein soll als 500 Tsh, umgerechnet also grob 25Cent. Über die letzten Monate zog es Menschenmassen nach Loliondo. In Babus Glanzzeit warteten mehr als 50.000 Menschen auf ihre Behandlung. Babu kann allerdings pro Tag nur grob 1000 Leuten die Tasse verabreichen. Da viele Kranke Menschen auf einem Haufen in einem völlig überforderten Dorf/Stadt warten mussten, starben/sterben natürlich viele vor oder kurz nach der Behandlung. Die Behandlung ist ganz einfach. Man muss nur einmal eine Tasse vom Babu trinken und ist/wird geheilt. Der Gottesglaube darf nicht fehlen und man muss die Tasse von Babu erhalten, sonst wirkt es nicht. Für mich hat es die ganze Zeit den Eindruck gemacht, dass wer nur irgendwie an Gott glaubt, auch der Babu – Behandlung Glauben schenkt. Vereinzelte Kritiker natürlich mal ausgeschlossen. Mehrere Verwandte unserer Gastfamilie sind z.B. auch zum Babu „gepilgert“, in der Anfangsphase. Völlig unvorbereitet mussten sie sehen, wie viele Menschen dort sind und mussten 5 Tage lang warten, bis sie drankamen. Sie glauben jedoch an den Erfolg der Behandlung. Welche Krankheit sie vorher eigentlich hatten, ist mir allerdings unklar. Es ist/war ein unglaublicher Hype und es wollten etliche Menschen hin, einfach um die Tasse zu trinken. Quasi als Prophylaxe. Wenn ich in Arusha über den Busbahnhof gelaufen bin, kam von allen Seiten, ob ich nicht dahin will, worauf ich jedoch immer ganz gut den Babu zitieren konnte, die Medizin sei nicht zur Vorbeugung, sondern zur Behandlung. Ich aber bin gesund. Trotzdem, ein Geschäft witterten viele und natürlich sind einige Betrüger auch auf Wundermittel und Heilmethoden gestoßen, doch Babu bleibt Babu. Was sagt denn dann eigentlich die Regierung dazu? Also wie ich das mit Fernsehen und vereinzelt Zeitung mitbekommen habe, war die Regierung anfangs stark gegen den Babu und in einer Nachricht stand sogar sie wollen ihn festnehmen, doch haben sich dann die Bischöfe Tansanias starkgemacht und konnten diesen Schritt verhindern. Die Kirche hält eben zusammen. Der nächste Schritt war dann, dass die Regierung die Medizin überprüfen lies, sich also eine Probe mitnahm und im Labor anschaute. Das Ergebnis: Die Inhaltsstoffe sind schon traditionelle Heilpflanzen, aber es wurde kein Hinweis auf besondere Heilmöglichkeiten gefunden. Vielleicht ist die Technik aber einfach noch nicht so weit, die Verbindungen zu sehen? Die Nachricht war groß, die Reaktion war, dass die Medizin außerhalb Loliondos, nicht von Babu verabreicht, ohne genügend Gottesglauben, nicht funktioniert. Eigentlich unfair den anderen Religionen gegenüber, wo das ja nicht funktionieren kann. (Liebe deinen Nächsten wie du auch dich liebst usw. ist das damit eingehalten? Ist das Gottes Weg?). Naja, noch ist die Kikombe cha Babu (Tasse des Opas, so wird die Medizin auch genannt) nicht religionsübergreifend. Inzwischen hört man, es sollen auch einige Regierungsvertreter bis hoch zu Präsident Kikwete die Tasse trinken gegangen sein. Babu ist einfach Thema. Auch wenn wir mit KAKUTE irgendwelche Firmen besuchen gehen, es ist nicht ausgeschlossen, dass die Diskussion gegen Ende zu auf Babu kommt. Wobei er auf dem Level von Firmenchefs eher mit einem Lächeln betrachtet wird. Wie ich das so mitkriege. Ich meinte einmal zu einem Schulleiter, dass doch Babu mit Jesus ganz gut zu vergleichen sei. Zu ihm pilgern etliche Leute, einige aus anderen Ländern, teilweise von anderen Kontinenten; seine Worte werden 1000 mal rezitiert und allgemein wird er durch seine Kommunikation mit Gott auf ein anderes Level gehoben als der Durchschnittsmensch. Die Reaktion war ganz interessant. Natürlich verneinend nach kurzem Überlegen, doch meinte er, der Vergleich hackt, da Jesus Gott ist und somit jede seiner Aktionen göttlich ist, Babu jedoch nur von Gott für Gottes Zwecke benutzt wird. Gut, hätten wir das auch geklärt. Es gibt natürlich schon unzählige Geschichten von und über Babu. U.a. eine Komödie mit dem Titel „Kikombe cha Babu“ oder dass Amerikaner ihn fragten, ob er nicht nach Amerika kommen wolle, dort wäre er gebraucht. Seine Reaktion schloss die Reise nicht aus, aber er will nicht über das Meer. Wenn er mit einem Bus rüberfahren kann, ist er dabei. Wir haben letztens mit der Arbeit SIDO (Small Industries Developement Organisation) besucht und auf dem Gelände den Neuen Kochtopf + Ofen für Babu gesehen, den dieser sich bestellt hat. Ein hammerteil, ziemlich groß und funktioniert ressourcensparend mit Sägespänen (übrigens eine auch von uns empfohlene Technik). Jetzt neulich hat auch Kenia angefangen, mit-zu-hypen und schickt nach außen, dass wer zu Babu reisen will, am besten den Weg über Nairobi nimmt. Dass man noch nach Tansania immigrieren muss wird dann verschwiegen. Sensationsräuber.

altIch frage mich: kann ich das gutheißen? Oder: kann man das gutheißen? Ich finde, es hat schon etwas mit Respekt vor dem festen Glauben vieler Leute zu tun, da entgegen aller Logik nicht zu viel dagegen zusagen, da für viele eben das was dort passiert wohl so etwas wie Gottes Wille ist. Und können wir wissenschaftlich festlegen dass es Gott und dessen Wille gibt oder nicht? Ich bleibe vorsichtig bei solchen Themen, solchen Diskussionen. Das führt in der Regel nur dazu, ich glaube da dran und du glaubst da dran. Auch ist es ein gar nicht so schlechter Schritt, wenn mehr Leute mehr an traditionelle Heilmethoden glauben bzw. sich damit beschäftigen. Wir bei KAKUTE verkaufen einen Anti-Malaria Tee, der die Chinesen schon seit 2000 Jahren gegen Fieber/Fieberkrankheiten schützt und bei einer Malaria – Erkrankung hilfreich ist. Wir sagen nicht, dass man keine andere Medizin nehmen soll, das machen die Mitarbeiter hier auch nicht, aber wir sehen eben, dass viele Menschen v.a. in der unteren Liga nicht das Geld haben, den Arzt zu sehen und dann die Medizin zu kaufen und dann an den Krankheiten sterben. Das Geld für unseren Tee hat aber in der Regel jeder. Babu gibt seine Tasse Medizin sogar kostenlos an solche aus, die das Geld nicht haben, sie zu kaufen, heißt es. Er hilft uns quasi in der „awareness creation“. Auch wenn seine Medizin ohne den christlichen Gott nicht wirkt. Und doch kann es nicht ratsam sein, auf einen Todeszug nach Loliondo aufzuspringen und die teilweise wichtige Krankenhausbehandlung nicht mitzumachen. Krankheiten breiten sich unter kranken ja ganz gerne aus und so viele kranke auf einem Haufen rufen ja regelrecht nach Typhus oder anderen Unannehmlichkeiten, die dann Babu auszubaden hat. Vielen hat der „Zaubertrank“ übrigens auch gar nicht geholfen. Ob es nun fehlender Gottesglaube ist oder unwirksame Medizin, wenn Aids Aids bleibt dann ist das blöd.

Wenn der Ansturm nicht so übertrieben gewesen wäre und wenn sich die Medizin eher an die ärmere Bevölkerung gerichtet hätte, ich hätte es gut gefunden. Auch jetzt tue ich mir schwer, es nicht irgendwie gut zu finden, aber es kann nun mal nicht gut sein. Schluss damit.

Faki DVDs

Posted on März 11th, 2011 in Allgemein by georg

Das sind sie, unsere Garanten, dass wir auch in Tansania in den Genuss aktueller Filme kommen können, ohne zwangsläufig ins Kino gehen zu müssen (wo die meißtens eh nur Hindi-Filme gezeigt werden). Faki DVDs, das sind gepresste DVDs mit so wohl im Schnitt 12 Filmen drauf. Oder Staffeln von Serien. Für 1-3€, je nach Handelsgeschick vielleicht sogar noch teurer (mein Durchschnittspreis den ich erreiche liegt so bei 1,50€) sind die Platten nicht zu teuer und bieten eine Vielfalt an Filmen. Zu kaufen gibt es die Ware überall, an literalisch jeder Straßenecke bieten Verkäufer eine Unzahl an Fakis an. Man muss sich nur die DVD raussuchen, bei der einem die gepressten Filme am meißten zusagen, dann geht’s ans Handeln. Die meißten DVDs sind aktuelle Actionfilme. Doch mit etwas glück findet man auch ältere Filme, die irgendwie auch feilgeboten werden (z.B. Cannibalencollections, alte Action Filme etc.). Die Filme werden von jedermann in jedem Alter angesehen. Unseren Gastgeschwistern hat es jetzt auch noch nichts geschadet, Blade zu sehen. Nur ein Problem gibt es, das ziemlich nervig werden kann. Man weiss nie sicher, ob die Filme auch alle funktionieren. Oftmals gehen nur die ersten 2-3 Filme und der Rest ist von vorneherein kaputt. Manchmal geht aber auch alles (wie bei meiner Hellraiser Sammlung). Unsere Gastgeschwister und ich glaube viele Kinder mehr stehen auf ziemlich stumpfe Filme à la Deadly Prey, die viel Gewalt zeigen. Die stellen an denen geredet wird, wird dann vorgespult biss wieder etwas passiert.



Auch eine Art, Filme zu schauen. Noch mehr freuen sich die Kinder aber über Tom&Jerry oder den König der Löwen bzw. andere Zeichentrickfilme. Eine weitere Besonderheit der Filmwelt sind die sog. Kiswahili DJ movies. Da viele Menschen kein Englisch sprechen/verstehen, wird in jenen Filmen immer wenn etwas passiert oder wenn gesprochen wird, die Filmtonspur von der des DJs, der die Handlung erklährt und alles genau erzählt – auf Kiswahili, übertönt. Dazu muss nichtmal notwendigerweise jemand sprechen, es reicht, wenn man etwas sieht und zack, geht die Musik weg und der DJ gibt seinen Senf dazu und zack, kommt die Musik wieder, doch zack… Diese Filme sind ziemlich zerhackt und anstrengend anzuschauen. Dann gibt es noch die Filme Tansanischer Produktion. Wie in der restlichen Filmwelt sind einige ganz gut, andere wiederum grottig. Das lustige bei diesen Filmen, die in der Regel auch besser verpackt sind ist, dass jedes Mal eine uns allen bekannten Warnung kommt, wie illegal es sei, den Film raubzukopieren. Ein netter Gegensatz zu den vielen Faki DVDs



Weltwärts, Volunteer, Urlaub

Posted on März 8th, 2011 in Allgemein by georg

Achtung Achtung, alles was ich hier verzapf kommt aus meinem Kopf und aus meiner Erfahrung hier und ist deswegen auch nicht als Meinung anderer Leute zu verwenden. Ich passe nicht sonderlich darauf auf, immer korrekt zu schreiben, möchte aber nicht, dass der Inhalt auf mehr als meine Person interpretiert wird. So!

Weltwärts:

Weltwärts, was ist das? Wikipedia sagt „weltwärts ist der entwicklungspolitische Freiwilligendienst des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.“, ich sage, Weltwärts ist ein tolles Programm, das sich lohnt, weitergeführt zu werden. Wir haben beide recht, wobei sich Wiki besser ausdrückt. Dieses Jahr ersetzt meinen Zivildienst in Deutschland, auf den ich herzlich wenig Lust hatte! Weltwärts, ein Programm, das junge Deutsche ins Ausland schickt, dass sie dort nicht nur arbeiten, sondern auch Kultur, Leben und vielleicht sogar die Sprache ihres Einsatzlandes besser kennenlernen. Eine Prima Sache ist das. Uns verändert der Dienst und bringt uns weiter im Leben. Wir lernen viel, arbeiten in einem sinnvollem Projekt (im Optimum) und werden immer einen Bezug zu genau diesem Land haben. Das Einsatzland profitiert durch unser Geld, das wir ausgeben, die Verwandten/Freunde, die durch uns kommen und Geld ausgeben und nicht zuletzt durch die Projekte, die wir durchführen. Natürlich ist da jeweils mehr drinnen, aber soviel sogut. Ein geben und nehmen. Noch sind wir stolz, uns Volunteer zu nennen.

Probleme mit Weltwärts Einsatzstellen:

Ich bin in meiner Einsatzstelle richtig verwöhnt. Aber ich habe von anderen gehört, (andere Organisationen die dann dahinterstehen), bei denen der Zustand ein anderer ist. Ich habe genug zu arbeiten, eine nette Gastfamilie, einen Chef der zwar Arbeit fordert, aber auch immer ein offenes Ohr hat (Zitat) und immer freundlich ist und ich habe hier eben allgemein eine richtig schöne Zeit. Anderswo, habe ich gehört, gibt es kaum bis keine Arbeit (max. ein paar Unterrichtsstunden pro Woche), anderswo, habe ich gehört, sind die Gasteltern unter aller Sau und die Volunteers können nicht weg, anderswo, habe ich gehört…
Das ließe sich jetzt ziemlich weiterspinnen, jedoch:
Auch wenn einige Volunteers wenig Arbeit haben und die Situation bei anderen noch schlimmer ist, ist ja nicht dem Weltwärts-Programm die Schuld in die Schuhe zu schieben, höchstens unfähigen Organisationen und schlechten Bedingungen bzw. Pech. Es ist ja nicht so, dass die hochmotivierten freiwilligen nichts tun würden. Kulturaustausch kann trotzdem bestehen.

Volunteer:

Arbeit für umsonst, bzw. für sehr wenig verhältnismäßig. Das machen wir hier und sind froh darüber. Wir arbeiten in Einsatzstellen, die es sich nicht leisten können, für diese Arbeit Leute einzustellen, die aber die Arbeit gut finden. So nehmen wir niemandem den Arbeitsplatz weg. Das klappt natürlich auch nur im Bestfall so wie es die Theorie lehrt. Wir haben (auch durch Weltwärts) das Glück, unseren Aufenthalt hier nicht selbst zahlen zu müssen und dürfen trotzdem arbeiten. Das ist nicht immer so. Es gibt international viele Organisationen, die gegen gewisses Entgeld Voluntäre in das Land derer Wahl schicken. Wer Geld hat, kann also quasi überall mal arbeiten. Diese bleiben dann nicht unbedingt ein Jahr wie wir hier, nein, das Voluntariat wird z.B. auf ein halbes Jahr oder 3 Monate beschränkt. Es kostet ganz schön viel, eine lange Zeit im Land zu bleiben und ein gewisses Standard zu halten. Was mich zum Punkt Urlaub bringt.

Urlaub:

Was sind 3 Monate arbeiten und leben in einem Land mit einem völlig verschiedenen Kulturkreis, Höflichkeitsregeln, Sprache und vielem mehr? Selbst ein Jahr ist nicht allzu viel, ist aber ausreichend Zeit die Motivation aufkommen zu lassen, sich einzuleben und sich Mühe zu geben, sich zu integrieren. Aber 3 Monate? Da kommt man an, erst mal ist alles ganz krass, alles anders und du brauchst schon mal 1-2 Wochen um dich überhaupt einigermaßen zurechtzufinden und einzugewöhnen. Doch Moment, du arbeitest ja in irgendeinem Waisenheim oder Kindergarten (nicht dass ich die Arbeit nicht wichtig fände) und musst dich auch dort eingewöhnen. Dass die Kinder eine andere Sprache sprechen und dich nicht verstehen, interessiert dich in der Regel nicht wirklich, sie sollen eh früher oder später Englisch lernen. Na, lieber früher als später. Ab der 3-4. Woche sieht man dann unbedingt irgendwelche Probleme, die gelöst werden müssen (z.B. wurden in einem Waisenheim gespendete Spielsachen in einem Raum vor den Kindern versteckt.). Aber ein Drittel der Zeit ist vorbei, bleiben noch zwei. Der Urlaub will auch gemacht werden. Ich weiß leider gerade nicht sicher, ob man sich in den 3 Monaten oder danach Urlaub nimmt, aber Urlaub ist Muss. Also muss schnell gehandelt werden, übermorgen ist man ja schon wieder zuhause. Nicht lange fragen, handeln also. Der Raum mit den Spielsachen wird geöffnet, die Kinder freuen sich und spielen, der Direktor ärgert sich. Es bleibt nicht mehr viel Zeit und so eine Safari oder Bergbesteigung will ja auch geplant werden. Beim Preis aushandeln holt man den Volunteer – Trumpf aus der Tasche und erwartet, dass man jetzt unweigerlich einen besseren Preis bekommt, als der Durchschnittstourist. Naja, vielleicht ein bisschen aber durch solche Aktionen wissen die Leute, wer sich Volunteer nennt, ist ja auch nicht viel mehr als ein Tourist der ein bisschen länger im Land bleibt. Der Volunteer geht nach Hause, zeigt vielen Leuten viele Bilder von vielen (durch ihn) glücklichen schwarzen Kindern und freut sich, in Afrika oder einem anderen Dritte Welt Land die Welt ein bisschen besser gemacht zu haben. (Ich habe hier extra Afrika mit einem Land gleichgesetzt). Er soll sich auch freuen, er hat viel Geld investiert. Aber der Direktor des Waisenhauses bleibt länger im Waisenhaus und lässt sich doch herzlich wenig von besserwissenden Volunteers beeindrucken. Hier kann man die Geschichte (der Anfang ist so, der verlauf ist so gut möglich) nach belieben weiterspinnen. Wer weiss schon, ob der Rektor die Spielsachen verkaufen oder den Kindern einfach zu einem besonderen Anlass geben wolle? Vielleicht hatte der Chef seine Gründe, die Sachen wegzusperren, vielleicht war etwas passiert, das er nicht jedem durchsteppenden Volunteer erzählt. Ich möchte damit ausdrücken, dass es Zeit braucht, mehr Zeit als 4 Wochen bis man wirklich angekommen ist und sich langsam einleben kann und Zusammenhänge versteht. Wann kann man effektives Arbeiten anfangen, in einem Land, anderer Kultur und Sprache (nicht Engl/Franz/Span). Ich würde aus meiner persönlichen Erfahrung behaupten, dass man schon so 2-3 Monate braucht, allein um sich zurechtzufinden, zu sehen, was sind Grenzen, kann man über alles sprechen, wie muss ich mich verhalten etc. Um das alles zu ergründen braucht es natürlich eine ungleich höhere Zeitspanne, das ist klar.
Nach dem Punkt Weltwärts konnte ich noch schreiben, stolz auf die Bezeichnung Volunteer zu sein. Und jetzt? Besonders bei mir in Arusha gibt es eine Unzahl an Volunteers, die alle mit unterschiedlichen Zielen herkommen. Viele nehmen echt viel Geld in die Hand, um was gutes zu tun, hoffentlich nicht zu krampfhaft. Andere wissen von vorneherein, was ihr Ziel ist: der Kilimanjaro, die Serengeti oder andere Parks. Weshalb solche Leute (ich habe schon einmal mit so jemanden gesprochen) nicht nur Urlaub machen und fertig, ich weiß es nicht. Was ich weiß ist aber ist, dass ich, wenn ich bei irgendetwas handeln will, nicht zu sagen brauche, ich sei ein Volunteer, denn wegen diesen Urlaubs-Volunteers wissen die Leute genau, dass da genauso viel Geld in den Taschen steckt wie bei den Touristen. Ich finde Touristen jedoch gut für das Land und den Fortschritt.

Mount Meru

Posted on März 1st, 2011 in Allgemein by georg

Mein Freiwilligenjahr in Tansania besteht nicht nur aus Arbeit. Aus diesem Grunde schloss ich mich einer Gruppe anderer Freiwilliger an, um den Berg Meru zu besteigen. Warum mache ich soetwas?

Ich bin gewiss kein Bergsteiger oder großer Bergfan. Die Tour war (für mich) teuer und anstrengend. Aber diesen Berg speziell sehe ich jeden Tag recht oft. Am Fuße des Merus liegt Arusha, wo ich wohne. Wenn ich frühs Wasser hole, sehe ich den Berg vor, beim und nach dem Sonnenaufgang. Von quasi überall ist der Blick auf den Berg prima. Dauernd habe ich das Bedürfnis, Bilder zu machen, weil der Berg mal wieder im schönenen Sonnenlicht liegt. (mach ich aber nicht, ist den Touristen vorbehalten). Ich hatte also Grund genug, auch mal den Sonnenaufgang von oben anschauen zu wollen. So nahm ich das Angebot wahr, mit auf den Berg zu kommen, gab Christina bescheid und zusammen stiegen wir hoch. Zum Berg ist zu sagen, dass er mit 4566 Höhenmetern der 5. Höchste Berg Afrikas ist und der 2. Höchste Tansanias. Höher nur als der Meru (in Tz)  ist der Kilimanjaro, den man vom Meru ganz schön sehen kann. Der Meru ist ungemein günstiger zu besteigen als der Kilimanjaro, das sieht man alleine an den Parkgebühren (Meru liegt im Arusha Nationalpark, 35$ Pro Tag Pro Person) die den Kili mit 67$ Pro Tag pro Person deutlich teurer machen. Auch braucht man für den Kili mehr Träger und die Touren dauern länger. Während die kürzeste Tour den Meru hoch 3 Tage (offiziell) ist, sind es beim Kili 7 Tage.

Ich nahm mir also Freitags frei und der Aufstieg begann.

Dadurch dass die Tansanische Währung bei 10000Tsh ihren höchsten Schein erreicht, was ca. 5€ sind, hatte ich viel Geld in der Hand



Wir sind auch auf dem Little Meru angekommen. Am 1. Tag (Freitag) hatten wir 5h Fußweg, dann übernachten, dann am 2. Tag nochmal 5h Fußweg, jeweils immer 1000 Höhenmeter. Am 2. Tag kamen wir mittags beim Camp an und die die wollten, konnten auf den Little Meru steigen, ein Hügel in 3800m Höhe. Die Deutschlandfahne begleitet mich seit Deutschland und wo lässt sich eine Fahne schöner sehen als auf einem Berg? Das war einfach nur Spaß und Spielerei mit der Flagge. Aber ich mag sie.

Auf jeden Fall ging es dann früh schon schlafen, denn um 12 Uhr nachts standen wir auf um um 1 Uhr morgens uns auf die 5stündige Aufstiegstour zu machen. Pausen gab es so gut wie keine, da es kalt war. Anzumerken ist, dass unser Tourguide vorher seinen Geburtstag gefeiert hatte und dementsprechend betrunken war. Wir hatten vermutlich mehr Angst als Gefahr da war, aber an der ein oder anderen Stelle sah es zumindest für den Amateur ziemlich gefährlich aus, wenn er beinahe ausrutschte. In einer kleinen Pause z.B. fielen ihm wohl mal die Augen zu und die Taschenlampe runter. Sie fiel nicht ganz runter, das wäre blöd gewesen. Ich gab ihm Wasser und seine Taschenlampe und die Tour ging weiter. Ich war zugegebenermaßen erschreckt, wie gefährlich der Aufstieg eigentlich ist, es kann schon was passieren.

Naja, die Bilder unten sind auf jeden Fall von oben, wo wir den Sonnenaufgang betrachteten und dann nach kurzer Zeit wieder die 3stündige Rückreise zum Camp antraten. Vom Camp gings dann zum 1. Camp und dort ließen wir uns vom Auto abholen. Insgesamt eine zwar teure, doch schöne Tour.

Achja, mir fällt noch ein, wir waren zu 6. und hatten 10 Leute, die sich um uns sorgten (Gepäckträger, Koch, Essensträger, Tourguide, Ranger). Das hört sich jetzt nach viel an, mit dem blöden Trinkgeld war es dann auch viel (die Träger v.a. hängen ja vom Trinkgeld ab, weil die Scheißfirmen denen sogut wie nichts bezahlen. Das ist so teuer, da wäre eine angemessene Bezahlung echt drinnen. Muss ja aber nicht sein, es gibt ja Trinkgeld. Andererseits sahen wir z.B. ein älteres Ehepaar die 12 Gehilfen um sich scharten und mir wurde erzählt, das wenn man auf den Kili steigt, man zu 6. 17-20 Trägerleute braucht, die z.B. Zelte etc. tragen und Essen für min. 7 Tage.

Achja, Ausrüstung:

Um Ausrüstung habe ich mich überhaupt nicht gekümmert. Ich hatte keinen Respekt vor dem Berg, weil mir jemand erzählte, dass man den auch an einem Tag besteigen und wieder runterkommen kann. Ich hatte mich geärgert, dass wir 3 Tage brauchen, jetzt sehe ich, dass komplett untrainiert wie ich war, ich es an einem Tag nicht geschafft hätte. Die ersten beiden Tage kann man theoretisch mit Flipflops bzw. leichten schuhen und kurzer Sommerkleidung laufen, es ist warm. Für die Nachtwanderung braucht man schon warme sachen. Ich hab meine Lederjacke benutzt, die zwar schwer ist, aber ziemlich cool, hab meine Basketballschuhe benutzt, Jeans, was fürn Kopf und Socken als Handschuhe. Reicht völlig. Etwas kalt wars doch mit der Lederjacke und Pullover drunter, aber wer ne richtige Jacke anzieht friert nicht wirklich.

Auf der wolkenverdeckten Spitze des Berges waren wir, siehe Bilder weiter oben. Der Aufstieg ist schwieriger/gefährlicher als es aussieht, weil man richtig klettern teilweise muss, es eisig/rutschig stellenweise ist und weil wir den Abgrund im Rücken hatten. Ich hab mich aber auch ein bisschen verrückt gemacht, die anderen haben die Situation glaube ich ein bisschen gelassener gesehen.

Das wars jetzt mit den Bildern die ich hochlade.

Wer kommen will um den Berg auch zu besteigen kann sich an mich richten, wenn ich lustig bin, plan ich das, dann wird der Comfort eingeschränkt, jeder trägt seine Ware selbst, der Personenaufwand wird minimiert, es wird keine Firma geben die kassiert, doch werde ich mit von der Partie sein und nichts Zahlen. Das ist der Deal.

Oder so ähnlich. Mit dem Kilimanjaro geht das natürlich auch. Ich vor Ort kann auch Preise abchecken, was Firmen so anbieten. Wir haben 350$ Pro Nase für den Meru gezahlt. 3 Tage inclusive allem aber unsere Träger etc. mussten nochmal bezahlt werden mit Trinkgeld.

Bis dahin

Posted on Februar 14th, 2011 in Allgemein by georg

Soviel jetzt erstmal neues.

Ich tu mir etwas schwer, den Blog aktuell zu halten, weil ich Rundbriefe schreibe, die die besseren Artikel und Bilder haben. Jetzt z.B. hab ich das 1. mal aus Rundbriefen rauskopiert.

Wer lieber die Rundbriefe bekommen möchte, kann mir das gerne per Mail mitteilen, dann soll er die auch bekommen. Mail: grasgeorg@yahoo.de

Ansonsten schreib ich hier demnächst mal nochmal was neueres rein.#

Lg Georg

1. Projekt – now it’s time for some field work

Posted on Februar 14th, 2011 in Allgemein by georg

Unser 1. Projekt, der Sombetini Energy Research, das in einer Baseline Study enden soll, die Probleme der Sombetinier zeigen soll, hat angefangen. Das Team: Baracka (20 Jahre, Manyangas Sohn), Samuel (16 Jahre, Barackas cousin), der Villageleader (ziemlich alt, dafür
extrem lebendig), Tami und ich. Nachdem wir uns beim Villageleader vorgestellt hatten, er unsere Aktion abgesegnet hatte, dachten wir, wir könnten jetzt anfangen wies uns passt. Doch da hatte dann die Dorfregierung etwas dagegen. Deswegen war sie immer mit dabei und
passte auf. Am Anfang fanden wir das blöd, doch dann wurde uns bewusst, dass es sehr wichtig ist, dass die Regierung mit im Boot ist. Einige Leute wollen ohne den Villagechef gar nichts zu irgendwelchen Weissen sagen, andere würden scheinbar nur mist erzählen, wenn
nicht eine bekannte Respektsperson da ist und in andere Gegenden würden wir von alleine ni hingehen. So wurden wir immer etwas geleitet. Wir hatten Zeit von Anfang Dezember bis zum 17.12., ab wo ich mir Urlaub genommen hatte. In the Field waren wir ca. 10 Tage. Das
war sehr interessant, wir sahen vieles von Sombetini, was uns sonst verschlossen geblieben wäre. Wir fragten nach Familie, Bildung, Beruf, woher das Wasser kommt, wie das Haus abends beleuchtet wird, wie teuer, womit gekocht wird etc. ein insgesamt 4seitiger Fragebogen. Tami erstellte ihn zusammen mit Tansaniern, deswegen tat ich mir am Anfang schwer, die Fragen überhaupt zu verstehen. Am Ende konnte ich mit den Befragten scherze machen und verstand selbstständig jede Antwort und alles was dazugehört. Für den Villagechef sind wir bis heute noch Amerikaner und er wollte uns nur die ärmsten der armen
befragen lassen, weil er der Meinung ist, dass die Reichen keine Probleme haben, die auf unseren Fragebogen zutreffen. Ein interessanter Ansatz, theoretisch ziemlich gut sogar, doch
problematisch wurde es in der Praxis, als die ärmsten der armen auf jede Frage, selbst auf Auswählfragen sagten, sie haben keine Fähigkeiten, könnten nichts und sich nicht in der Lage fühlten, Fragen selbst zu beantworten. Der Villageleader half gerne aus. Aber nicht jeden Tag hatte er Zeit für uns und so kam es vor, dass wir mit seinem Stellvertreter, der ziemlich cool ist und sogar mal mit jemandem in ca. unserem Alter (so 20 rum) rumliefen, der halt die Gegend ziemlich gut kennt. Das entspannte die Situation ziemlich. In unserer Zeit schafften
wir es, 100 Fragebögen beantwortet zu bekommen, was ziemlich gut ist. Am letzten Tag machten wir nämlich noch mal richtig viel, denn nicht jeden Tag konnten wir gehen, nicht jeden Tag war jemand von der Dorfleitung da und so kam es, dass wir am letzten Tag den zu
Befragenden nurnoch kurz vorgestellt wurden, dann alles jeder selbstständig arbeitete. Also 4 Leute die gleichzeitig unterschiedliche Leute fragen. Ziemlich effektiv. Noch haben wir keine Ergebnisse, zurzeit jedoch tragen wir alles gerade fleißig in eine Datenbank ein, dann machen wir noch mal mindestens 100, eher mehr Leute, um halbwegs eine Prozentzahl zu bekommen, für die man nicht sofort ausgelacht wird.

Die unendliche (Betrüger)Geschichte

Posted on Februar 14th, 2011 in Allgemein by georg

Unser Besuch aus Kenia brach auf und wir mussten neue Tickets für die Mädels kaufen. Am Tag vorher kauften wir bei Mr. Kayanda für 16€ Tickets Arusha Mombasa. Fake. Die neuen Tickets waren von vornherein günstiger. Da haben wir uns wiedermal ausziehen lassen. Mr. Kayanda war nicht auffindbar. Das war er auch die nächsten 3 Tage nicht. Wir schauten vor u. teilweise nach der Arbeit vorbei. Keine Spur. Dafür sprachen wir viel mit den anderen Verkäufern. Wir hatten die /Hoffnung auf unser Geld eigentlich schon aufgegeben, weil wir die Fake tickets einem Polizisten gaben, der versprach uns anzurufen, wenn er den Tapeli (Betrüger) erblicken sollte. So verlaufen sich doch die Fälle. Uns wurde von jedem versichert, einen Tapeli kann man nicht fangen, ein Tapeli hat viele Freunde, einen Tapeli kann man nicht fangen. Aber irgendwo arbeiten muss er doch. So sind wir kurz entschlossen nach 2 Wochen Sendepause wieder zum Busbahnhof gegangen. Dazu muss man sagen, dass der Busbahnhof wirklich groß u. unüberblickbar ist u. der Punkt in Arusha, wo man am allermeißten angesprochen wird, wegen Reisen, Safaris etc. Wir aber waren inzwischen bekannt. Jeder wusste, dass wir auf Mission waren. Somit dürften wir zwei der wenigsten weißen sein, die auf dem Stendi in Arusha nicht angesprochen wurden für kurze Zeit! Wir wurden auch von
2 Leuten abgefangen, die uns Mr. Kayanda durch die Fensterscheiben eines Autos zeigten. Wir gingen hin, griffen ihn uns und er fing das Betteln an. Er ist mit 45 Jahren auch nicht mehr der jüngste. Doch es bildete sich ziemlich schnell eine ziemlich große Menschentraube aus
Schaulustigen. Dann kam der Polizist unseres Vertrauens, der auch die Tickets hatte. Breiter und tiefer als hoch, den Schlagstock trägt er nicht nur zur Zierde, seine Art zu sprechen ist nicht die netteste. Eine Ausstrahlung hat er. Respekt flößt er ein. Man sollte sich lieber nicht mit ihm anlegen. Er sagte, wir sollen jetzt zur Polizei gehen, da alles aufnehmen lassen, weil Kayanda unser Geld nicht hatte. Dieser bettelte nach einer Lösung ausserhalb der Polizei, doch wurde von jedem unterbrochen. Jeder feierte sich auf seine Ergreifung. Bei der Polizei angekommen, ich meinte noch zu Tami, dass eine Datenbank den herumfliegenden Aktenstapeln ein Ende machen würde, wird schon Kayanda hereingeschleift. Wir gaben den Bericht auf, ich musste an ein paar Stellen unterschreiben, lesen konnte ich nichts; Handschrift, nicht die schönste, wird schon alles gepasst haben. Dann war Kayanda an der Reihe. Datenaufnahme, dann wurde er erstmal ausgelacht, weil er kein Handy hatte. Ob irgendjemand seiner Frau/Kindern bescheid gesagt hatte, dass er erstmal nichtmehr kommt, bleibt uns verschlossen. Nach dem offiziellen ging es darum, Schuhe ausziehen, Gürtel ausziehen, Taschen leeren und ab in die Polizeiinterne Zelle. Die Wertsachen wurden alle in einen Schrank in ein Chaos aus Schuhen und
Gürteln geworfen. Nach 2 Tagen waren wir wieder geladen. Nach längerem Warten nahm sich uns eine Detektivin an, die dann auch Kayanda hereinbringen ließ. Dieser, mit inzwischen größeren Löchern im Hemd, leichten Blutflecken am Hemd und mit Duftnote vom Feinsten kam an und seine Hände wollten das Zittern einfach nicht aufhören. Ihm ists da richtig schlecht ergangen und er bettelte und flehte. Wir einigten uns, dass wir einen Zettel zum Busbahnhof brächten, auf dem
Stand, dass ein Freund zur Polizei kommen solle, einen Betrag zahle u. Kayanda freikommt, um unser Geld aufzutreiben. Am Stendi (Busbahnhof) überreichten wir die Nachricht auch Leuten, die sie weitertragen wollten. Ein Freund Kayandas hielt uns noch an. Er sah in etwa genauso verwarlost aus wie Kayanda. An unser Mitgefühl wurde appeliert, Kayanda würde sterben im Knast. Der Grund: Er ist ein Säufer, versäuft sämtliches Geld das er sich durch Betrügen, seiner Arbeit, holt. Deswegen wird ihm seine Frau auch keinen Tee und kein Essen zum Gefängis bringen. Und sein Immunsystem war wohl auch schonmal besser Doch wen wir sonst auch fragten, jeder fand das gut
was wir machten und Betrüger müssen ins Gefängnis. Unsere Gastmutter meinte auch, wenn er keine Frau hätte, würde er sterben im Gefängnis. So jedoch kann sie ihm Tee u. Essen bringen. Unser Chef meinte, es sei gut, wir hätten ihm einen Gefallen getan, denn nach dem Knast sei er nichtmehr alkoholsüchtig. Wenn er nur nicht dahingerafft wird. Noch jedoch war er ja nur im Lock Up im Gefängnis, oder schon frei, am Geldbesorgen. Nach ein paar Tagen hatten wir wieder einen Termin bei der Polizei. Kayanda war nicht rausgekommen, das Geld war nicht angekommen. Also ab zum Gericht. Kayanda hatte ca. 1 Minute Zeit, seine sachen zusammenzusuchen, fand nichts,
musste also ohne Gürtel u. ohne Schuhe zum Gefangenentransport. Wir nahmen uns ein Taxi. Vor dem Gericht wussten wir erstmal nicht, was tun. Also: Zuschauen und lernen. Es gibt mehrere Gerichtssäle und immer nach einer gewissen Zeit kommt jemand heraus und ließt laut Namen vor. Die benannten können dann hereinkommen und der Fall wird abgehandelt. Die Dauer variiert, von ein paar Sekunden bis zu länger. Irgendwie müssen wir meinen Namen verpasst haben, weil uns
dann ein Wärter, der schon im Gefängnis anwesend war sagte, wir hätten den Namen verpasst, also müssen wir in 2 Wochen wiederkommen. Wir vergaßen ihn zu fragen, was in der Zeit mit dem
Betrüger passiert. Als wir zurückkamen, wurden wir auch nach ca. 2h aufgerufen, konnten in das Gericht, jedoch nicht wie normale Fälle vornerein, sondern durch ein paar Türen im Gerichtsgebäude. Die Akten flogen nur so herum. Wir warteten vor einem Raum mit ein paar
anderen Leuten, die ihre Probleme beim Gericht ausdiskutieren. Dort wurde dann auch Kayanda aus einer Zelle geholt. Er sah besser aus als jeh zuvor. Vielleicht lag es an der Glatze, die ihm nun stand. Aber er war gewaschen und sah fit aus. Wir einigten uns darauf, er bringe uns das Geld zum 2. Dezember zum Gericht, dann vergessen wir den Vorfall. Er hat wohl lange genug gelitten. Wegen 16€. Wir hatten uns in den 2 Wochen schon ernsthafte Gedanken gemacht, ob er denn jetzt stirbt wegen dem läppischen Betrag u. wegen uns…
Er macht einfach nur Probleme. Jetzt hoffen wir, dass die Geschichte ein Ende nimmt, er irgendwelche anderen Wazungu ausnimmt, uns unser Geld wiedergibt u. hoffentlich die Finger vom Alkohol lässt. (Unwarscheinlich. Man bekommt hier 35% igen Gin in Bars für 30Cent u.
gerüchteweise auf der Straße für 10Cent soviel von irgendwas, dass man betrunken wird). Dafür ist Bier teuer. Der Gin lässt sich aber trinken, nur aus der Plastiktüte schaut das schon leicht ranzig aus.

2 Wochen später…

Am 2. Dezember waren wir also wieder im Gericht und trafen auch den wieder nach Alkohol stinkenden Betrüger nach einer kurzen Wartepause. 32000 Tsh schuldet er uns, 10000 gab er aber nur, die Familie müsse auch etwas essen. Gut, verständlich, geht klar, wir sehen uns nächste Woche wieder. Doch halt, musste der Richter das ja auch noch absegnen, so eine Ladung vors Gericht schlägt man ja nicht aus, nur weil wir es privat vor dem Gericht regelten. Nur wollte jener Richter unseren Freund gleich ins Gefängnis stecken. Lieber Richter, nein, das muss nicht sein, er bringt uns das restliche Geld wieder, nächste Woche, kein Stress, wir verstehen dass er Probleme hat, Geld zu verdienen. Aber warten mussten wir trotzdem wieder, auf den obersten Richter, der sich das anhören wollte, für den jedoch zuerst die Akten aus irgendwelchen Papierhaufen herausgesucht werden mussten. In der Wartezeit verspürte Mr. Kayanda dann das Bedürfnis, sich den 10000er Schein wieder zu greifen, nach draußen
zu gehen, seine angeblich dort wartende Frau zu treffen. Als er wieder kam, hatte er kein Geld mehr. Die Frau und die Kinder bräuchten doch alles, sie haben ja nichts. Tami und ich sind ja in der Regel keine Unmenschen, aber irgendwo war das dann jetzt doch blöd. Da warten wir 2 Wochen, kommt der Typ an, gibt uns nen Teil, verspricht den Rest demnächst und dann braucht er den Teil doch wieder. Nächste Woche müssen die Frau u. Kinder doch auch wieder essen, oder nicht? Was ist denn jetzt los, wann willst du uns jetzt wie viel zurückzahlen?
Durch Fragen wie diese angegriffen und in die Ecke gedrängt wurde Kayanda laut und sagte dumme Sachen. Bei dem Satz „You know, this is Africa!” ward es sogar dem obersten Richter zu viel, der den Gauner packte, zum nächsten Polizisten brachte und dort wurde Kayanda bis zu unserer Anhörung ruhiggestellt, also weggesperrt. Vor dem wegsperren musste jedoch der Hosentascheninhalt geleert werden. Und siehe da, da kamen die 10000 Tsh zum Vorschein. Betrogen hat er uns, gesoffen hat er wieder und die Frau war wohl doch nicht da. In der Anhörung sagte der Richter zu Kayanda soviel wie, dass es ziemlich blöd sei, für das Land, für so ziemlich viel eigentlich, wenn er Weisse betrügt, die ihn zum Gericht schleppen, er sie wieder betrügt und dann behaupte, this sei Afrika. „Jetzt gehst du für die nächsten 3 Monate ins Gefängnis, this is Africa“ sagte dann der Richter. Und so war es dann auch. Entlassungsdatum geschätzt, 2. März. Unser nächster Gerichtstermin. Diesmal jedoch werden wir wohl dem Tapeli vergeben. 3 Monate Tansaniaknast sind glaube ich Strafe genug. Die Leute am Busbahnhof kennen uns nun und haben Respekt bekommen. Das zeigte sich auch, als ich nach dem Urlaub und den Seminaren in Arusha wieder ankam, mich wieder 1000 Leute umzingelten und irgendwas verkaufen wollten und einer dann sagte, du hast doch Kayanda ins Gefängnis gebracht. Auf einmal war Ruhe. Nach kurzer Erklärung, also inetwa Kayanda hat die beiden betrogen, jetzt sitzt er wegen denen für 3 Monate ein, wurden wir nicht weiter angesprochen.

Ps.: Inzwischen ist er schon nach nur 2 Monaten rausgekommen. Ich weiss nicht wie… Der Fall ist für uns nun endlich vorbei.

Engaruka die 2.

Posted on Februar 14th, 2011 in Allgemein by georg

Wir sind wieder nach Engaruka gefahren. In das Maasai – Dorf, das wir in unserer Anfangszeit schon besuchten. Der Grund war diesmal aber ein richtig cooler. Mr. Vivian, ein Portugiesischstämmiger in Südafrika aufgewachsener und in Madrid arbeitender u. lebender Ingenieur hat zusammen mit ein paar anderen klügeren Köpfen eine Firma/Projekt gestartet. Es geht hier um einen Container, der Biogasanlage, Solarstrom und Wasserreinigung für 10 Familien garantiert. Da Mr. Vivian u. seine Kollegen Geschäftsläute sind, stellen sie das Ding da nicht einfach hin und warten ab. Das hat keinen Sinn. Sobald es keine Verantwortung gibt, wird auch kein Finger dafür gerührt. Der Plan ist, im kommenden Jahr das Teil dahinzustellen, die Leitungen zu
legen, jemanden auszubilden, der kleinste technische Defekte lösen kann u. der das Teil wartet und jeden für den Strom bzw. Gas/Wasserreinigung zahlen zu lassen. Der Preis wird etwas höher sein, als er jetzt ist für z.B. Kerosin zum Kochen. Das soll bewirken, dass die Leute die Technologie zu
schätzen kennen lernen. Das war jetzt nur sehr kurz u. unvollständig erklährt. Mehr Informationen zieht man sich am besten aus der Website: www.rvesol.com oder so Man kann noch dazu sagen, dass ein Kontainer mehrere 10000$ kostet u. ein Käufer/Sponsor gesucht werden wird, wohl die Regierung etc. Bis jetzt ist alles privatfinanziert. Zunächst sollen 4
Testcontainer in Kenia u. 4 in Tansania aufgestellt werden u. beobachtet werden, wie u. ob das Projekt funktioniert. Im Vorfeld, also jetzt muss da natürlich viel Aufklährungsarbeit geleistet werden. Hier kommen wir ins Spiel. Da KAKUTE vorraussichtlich eine Partnerorganisation sein
wird, ist es an uns, das Teil zu providen. Mich hat es überzeugt. Mr. Vivian konnte aus auch nochmal ein Eck besser erklähren. In akzentfreiem Deutsch. Er war mit einer Münchnerin verheiratet. So stellte er sein Projekt Engaruka vor, das wir im Vorfeld während unseres letzten Besuchs als passendes Dorf qualifizierten. Wenn dort also etwas hingestellt wird und das
funktioniert, dann haben wir ordentlich mit reingepfuscht. Wenn wir den Bogen nicht ausgefüllt hätten, hätte Mr. Vivian wohl nie etwas von Engaruka gehört. Irgendwie ein gutes Gefühl. Da Mr. Manyanga, unser Chef auch mit von der Partie war, konnte er dem Torwächter von Engaruka
erklähren, dass wir keine Touris sind, dem Dorf zum Fortschritt verhelfen wollen etc. u. deshalb auch keinen Eintritt zahlen werden. Nach ca. 15min. Diskutieren konnten wir unter der Auflage, einen Brief vom Dorfchef der das bestätigt, rein. Wenn man bedenkt, was das für ein riesenprojekt ist, eigentlich eine recht spontane Aktion von Mr. Vivian. Kein Mensch weiß dass da wer kommt  man kann sich in keinster Form vorbereiten u. bekommt ein Angebot, das man quasi nicht ausschlagen kann. Andererseits ist Engaruka ja noch nicht sicher der Kandidat. Das klährt sich jetzt noch alles. Die Dorfchefs waren schnell aufgetrieben u. mit Mr. Manyangas Übersetzungshilfen
wurde das Projekt vorgestellt, die Zweifel zerstreut u. versichert, sich zu melden. Anschließend schauten wir uns noch die Wasserherkunft vom Dorf an u. stellten fest, dass obwohl im Maasailand und richtig weit weg von irgendetwas anderem, ist die Wasserversorgung erste Sahne. Auf dem
Rückweg sahen wir dann noch Giraffen und Elefanten, weil die Straße nach Engaruka der Verbindungskorridor zwischen dem Ngorongoro Krater Park u. dem Tarangira Park ist. Mr. M. erzählte, er habe sogar mal einen Löwen dort
gesehen. Die Tiere wandern scheinbar gerne vom einen zum anderen. In Arusha angekommen, hatten wir noch ein Meeting, in dem der Tag
reflektiert wurde u. Pläne für die Zukunft geschmiedet wurden. Das ging schon gut ab. Aber müde waren alle.

Kurioses

Posted on November 26th, 2010 in Allgemein by georg

Hi, ich werf jetzt einfach mal ein paar Begebenheiten in den Raum

“Das aus der asiatischen wie europäischen Frühgeschichte überlieferte, ein laufendes Sonnenrad symbolisierende Hakenkreuz galt als Zeichen des Heils und der Wende zum Glück.” http://www.dhm.de/lemo/html/nazi/innenpolitik/hakenkreuz/index.html

letztens auf dem Weg zu einer Kommunion sahen wir einen Hindi tempel (oder so). Das laufenden Sonnenrad dient immernoch als offizielles Zeichen.
Ich hab auchein Foto geschossen, weiß aber nicht, wie das so ist, ein verbotenes Zeichen mit jedoch einem anderen Hintergrund hochzuladen. Vielleicht im Rundbrief ;)

Letztens auf einem Lastwagen auch: grüner Hintergrund, ein über 2m durchmessendes Hakenkreutz in roter Farbe. Leider konnten wir kein Foto schießen. Das wär mal lustig in Deutschland zu sehen.

Ich werde ja öfters, vor allem von Hakuna Matata typen (Also Tourileuten, die das aus Dem König der Löwen bekannte Hakuna Matata gerne sagen, was aber hier kein Mensch sonst sagt u. gramm. falsch ist; diese Leute lassen sich dann nur schwer abschütteln, den meißten ist es auch egal, ob ma Kiswahili kann oder nicht, ein weißer hat ja immer Geld) als Jesus bezeichnet. Das liegt wohl an meinen Haaren u. Bart, wenn ich unrasiert binn. Daran kann man sich gewöhnen, geht auch klar. Aber letztens hat mich jemand angehalten und gesagt, ich müsse mir die Haare abschneiden, ob ich denn auch wisse wieso? Weil ich nämlich wie Jesus aussehe. Ich muss mir also die Haare schneiden. Die Situation war etwas seltsam.

Wir haben erfahren, dass die Maasai, anders als andere Volksstämme vor der Hochzeit nicht auf die Jungfräulichkeit der Braut bestehen. Das kommt daher, dass wohl ziemlich oft sehr alte Männer mit sehr jungen Mädchen verheiratet werden. Uns wurde als Beispiel genannt, dass ein mitte 60er alter Mann evtl. Probleme hat, ein 12 jähriges Mädchen zu entjungfern. Deswegen gibt es einen Tanz, dessen Namen ich vergessen habe, wird nachgetragen. Auf jeden Fall fordern die Mütter ihre Töchter dazu auf, mitzumachen. Im Laufe des Tanzes oder wohl eher danach werden dann die Mädchen von jüngeren Beischläfern zum Heiraten fit gemacht.

Wie verbreitet das heute noch ist und wie krass das noch alles passiert, weiß ich nicht.

Wir gehen feiern

Posted on November 26th, 2010 in Allgemein by georg

Man könnte meinen, alles ist teuerer für weisse in Tansania und weissen (wazungu) fällt auch alles schwerer. In den meißten Fällen hat man da auch recht. Es hat aber auch (ziemlich eigennützige) Vorteile, weiß zu sein.
Unser Gastmutter, Mama Neema hat eine Art Partyservice und ab und an bekommt sie den Auftrag, für eine Feier zu kochen. Dann kommen immer viele Helfer u. Köche u. es wird den ganzen Tag Essen für manchmal unter 50, manchmal über 200 Leute vorbereitet. Seit wir besser Kiswahili sprechen, nimmt uns mama Neema meißtens mit oder arrangiert, dass wir schon vor ihr auf der Feier sind. Das ist unser weissenvorteil. Wir können einfach mitkommen. Unser großer Gastbruder kann das nicht. So waren wir jetzt schon 2 – 3 mal auf sog. Sent Offs, das ist eine Art Polterabend. Beim Senti Off wird die Braut von der Mutter etc. verabschiedet. Dazu kommen dann immer viele Leute, die sitzen, der Prozessionsmeister macht seine Show, es wird musik gespielt u. nach (für uns) einer gefühlten Ewigkeit wird angefangen zu Essen u. zu trinken. Wenn wir glück haben, gibt es sogar Bier. Das lustige ist, weil wir ziemlich gut mit Mama Neema und den Köchen können, da auch Freunde von Mama Neema bei sind, die öfters da sind u. mit denen wir oft viel lachen, laden sie uns besonders viel Essen auf.

Das Bild entstand auf einer Kommunion
Das war auf einer Kommunion

Gestern kamen wir sogar 2x in den Genuss leckeren Festessens (was man hier auch einfach eher seltener isst) weil wir zuerst von einer Freundin Mama Neemas zu einem Frauengruppenseminar gebracht wurden. Dort haben sich dann viele Frauengruppen vorgestellt, was ziemlich interessant war. Z.B. engagiert sich eine Gruppe für alleinerziehende Mütter etc. Das fand alles in einem Klinikum statt, das sich gegen die traditionelle Frauenbeschneidung einsetzt u. auch u.a. ein Plastikmodell zu Demonstrationszwecken zu bieten hatte. Nach dem Seminar wurde uns gesagt, dass in 5min. eine Live-Radioübertragung stattfinden wird, wir also unsere Firma KAKUTE, was wir so alles machen, was wir verkaufen, was wir in TZ machen etc. vorstellen sollten. Auf Kiswahili. War spontan, haben wir aber schon hinbekommen. Zurück zur Lück. Mama Neema hat gestern dort gekocht u. Essen verteilt. Nach dem Seminar sind wir auf ein Sent Off gefahren, für das unsere Gastmutter auch gekocht hatte.
Am Samstag sind wir auf einer Hochzeit eingeladen (diesmal aber wirklich, wir waren in unserer ersten Anfangszeit in Arusha auf dem Spendenkreis bei und haben auch etwas gespendet), am Sonntag sind wir eig. bei einem Lehrer in unserem Alter eingeladen, werden aber wohl mit unserem Gastbruder Tollu nach Moshi fahren. Es ist immer was los.

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