Unser Besuch aus Kenia brach auf und wir mussten neue Tickets für die Mädels kaufen. Am Tag vorher kauften wir bei Mr. Kayanda für 16€ Tickets Arusha Mombasa. Fake. Die neuen Tickets waren von vornherein günstiger. Da haben wir uns wiedermal ausziehen lassen. Mr. Kayanda war nicht auffindbar. Das war er auch die nächsten 3 Tage nicht. Wir schauten vor u. teilweise nach der Arbeit vorbei. Keine Spur. Dafür sprachen wir viel mit den anderen Verkäufern. Wir hatten die /Hoffnung auf unser Geld eigentlich schon aufgegeben, weil wir die Fake tickets einem Polizisten gaben, der versprach uns anzurufen, wenn er den Tapeli (Betrüger) erblicken sollte. So verlaufen sich doch die Fälle. Uns wurde von jedem versichert, einen Tapeli kann man nicht fangen, ein Tapeli hat viele Freunde, einen Tapeli kann man nicht fangen. Aber irgendwo arbeiten muss er doch. So sind wir kurz entschlossen nach 2 Wochen Sendepause wieder zum Busbahnhof gegangen. Dazu muss man sagen, dass der Busbahnhof wirklich groß u. unüberblickbar ist u. der Punkt in Arusha, wo man am allermeißten angesprochen wird, wegen Reisen, Safaris etc. Wir aber waren inzwischen bekannt. Jeder wusste, dass wir auf Mission waren. Somit dürften wir zwei der wenigsten weißen sein, die auf dem Stendi in Arusha nicht angesprochen wurden für kurze Zeit! Wir wurden auch von
2 Leuten abgefangen, die uns Mr. Kayanda durch die Fensterscheiben eines Autos zeigten. Wir gingen hin, griffen ihn uns und er fing das Betteln an. Er ist mit 45 Jahren auch nicht mehr der jüngste. Doch es bildete sich ziemlich schnell eine ziemlich große Menschentraube aus
Schaulustigen. Dann kam der Polizist unseres Vertrauens, der auch die Tickets hatte. Breiter und tiefer als hoch, den Schlagstock trägt er nicht nur zur Zierde, seine Art zu sprechen ist nicht die netteste. Eine Ausstrahlung hat er. Respekt flößt er ein. Man sollte sich lieber nicht mit ihm anlegen. Er sagte, wir sollen jetzt zur Polizei gehen, da alles aufnehmen lassen, weil Kayanda unser Geld nicht hatte. Dieser bettelte nach einer Lösung ausserhalb der Polizei, doch wurde von jedem unterbrochen. Jeder feierte sich auf seine Ergreifung. Bei der Polizei angekommen, ich meinte noch zu Tami, dass eine Datenbank den herumfliegenden Aktenstapeln ein Ende machen würde, wird schon Kayanda hereingeschleift. Wir gaben den Bericht auf, ich musste an ein paar Stellen unterschreiben, lesen konnte ich nichts; Handschrift, nicht die schönste, wird schon alles gepasst haben. Dann war Kayanda an der Reihe. Datenaufnahme, dann wurde er erstmal ausgelacht, weil er kein Handy hatte. Ob irgendjemand seiner Frau/Kindern bescheid gesagt hatte, dass er erstmal nichtmehr kommt, bleibt uns verschlossen. Nach dem offiziellen ging es darum, Schuhe ausziehen, Gürtel ausziehen, Taschen leeren und ab in die Polizeiinterne Zelle. Die Wertsachen wurden alle in einen Schrank in ein Chaos aus Schuhen und
Gürteln geworfen. Nach 2 Tagen waren wir wieder geladen. Nach längerem Warten nahm sich uns eine Detektivin an, die dann auch Kayanda hereinbringen ließ. Dieser, mit inzwischen größeren Löchern im Hemd, leichten Blutflecken am Hemd und mit Duftnote vom Feinsten kam an und seine Hände wollten das Zittern einfach nicht aufhören. Ihm ists da richtig schlecht ergangen und er bettelte und flehte. Wir einigten uns, dass wir einen Zettel zum Busbahnhof brächten, auf dem
Stand, dass ein Freund zur Polizei kommen solle, einen Betrag zahle u. Kayanda freikommt, um unser Geld aufzutreiben. Am Stendi (Busbahnhof) überreichten wir die Nachricht auch Leuten, die sie weitertragen wollten. Ein Freund Kayandas hielt uns noch an. Er sah in etwa genauso verwarlost aus wie Kayanda. An unser Mitgefühl wurde appeliert, Kayanda würde sterben im Knast. Der Grund: Er ist ein Säufer, versäuft sämtliches Geld das er sich durch Betrügen, seiner Arbeit, holt. Deswegen wird ihm seine Frau auch keinen Tee und kein Essen zum Gefängis bringen. Und sein Immunsystem war wohl auch schonmal besser Doch wen wir sonst auch fragten, jeder fand das gut
was wir machten und Betrüger müssen ins Gefängnis. Unsere Gastmutter meinte auch, wenn er keine Frau hätte, würde er sterben im Gefängnis. So jedoch kann sie ihm Tee u. Essen bringen. Unser Chef meinte, es sei gut, wir hätten ihm einen Gefallen getan, denn nach dem Knast sei er nichtmehr alkoholsüchtig. Wenn er nur nicht dahingerafft wird. Noch jedoch war er ja nur im Lock Up im Gefängnis, oder schon frei, am Geldbesorgen. Nach ein paar Tagen hatten wir wieder einen Termin bei der Polizei. Kayanda war nicht rausgekommen, das Geld war nicht angekommen. Also ab zum Gericht. Kayanda hatte ca. 1 Minute Zeit, seine sachen zusammenzusuchen, fand nichts,
musste also ohne Gürtel u. ohne Schuhe zum Gefangenentransport. Wir nahmen uns ein Taxi. Vor dem Gericht wussten wir erstmal nicht, was tun. Also: Zuschauen und lernen. Es gibt mehrere Gerichtssäle und immer nach einer gewissen Zeit kommt jemand heraus und ließt laut Namen vor. Die benannten können dann hereinkommen und der Fall wird abgehandelt. Die Dauer variiert, von ein paar Sekunden bis zu länger. Irgendwie müssen wir meinen Namen verpasst haben, weil uns
dann ein Wärter, der schon im Gefängnis anwesend war sagte, wir hätten den Namen verpasst, also müssen wir in 2 Wochen wiederkommen. Wir vergaßen ihn zu fragen, was in der Zeit mit dem
Betrüger passiert. Als wir zurückkamen, wurden wir auch nach ca. 2h aufgerufen, konnten in das Gericht, jedoch nicht wie normale Fälle vornerein, sondern durch ein paar Türen im Gerichtsgebäude. Die Akten flogen nur so herum. Wir warteten vor einem Raum mit ein paar
anderen Leuten, die ihre Probleme beim Gericht ausdiskutieren. Dort wurde dann auch Kayanda aus einer Zelle geholt. Er sah besser aus als jeh zuvor. Vielleicht lag es an der Glatze, die ihm nun stand. Aber er war gewaschen und sah fit aus. Wir einigten uns darauf, er bringe uns das Geld zum 2. Dezember zum Gericht, dann vergessen wir den Vorfall. Er hat wohl lange genug gelitten. Wegen 16€. Wir hatten uns in den 2 Wochen schon ernsthafte Gedanken gemacht, ob er denn jetzt stirbt wegen dem läppischen Betrag u. wegen uns…
Er macht einfach nur Probleme. Jetzt hoffen wir, dass die Geschichte ein Ende nimmt, er irgendwelche anderen Wazungu ausnimmt, uns unser Geld wiedergibt u. hoffentlich die Finger vom Alkohol lässt. (Unwarscheinlich. Man bekommt hier 35% igen Gin in Bars für 30Cent u.
gerüchteweise auf der Straße für 10Cent soviel von irgendwas, dass man betrunken wird). Dafür ist Bier teuer. Der Gin lässt sich aber trinken, nur aus der Plastiktüte schaut das schon leicht ranzig aus.
2 Wochen später…
Am 2. Dezember waren wir also wieder im Gericht und trafen auch den wieder nach Alkohol stinkenden Betrüger nach einer kurzen Wartepause. 32000 Tsh schuldet er uns, 10000 gab er aber nur, die Familie müsse auch etwas essen. Gut, verständlich, geht klar, wir sehen uns nächste Woche wieder. Doch halt, musste der Richter das ja auch noch absegnen, so eine Ladung vors Gericht schlägt man ja nicht aus, nur weil wir es privat vor dem Gericht regelten. Nur wollte jener Richter unseren Freund gleich ins Gefängnis stecken. Lieber Richter, nein, das muss nicht sein, er bringt uns das restliche Geld wieder, nächste Woche, kein Stress, wir verstehen dass er Probleme hat, Geld zu verdienen. Aber warten mussten wir trotzdem wieder, auf den obersten Richter, der sich das anhören wollte, für den jedoch zuerst die Akten aus irgendwelchen Papierhaufen herausgesucht werden mussten. In der Wartezeit verspürte Mr. Kayanda dann das Bedürfnis, sich den 10000er Schein wieder zu greifen, nach draußen
zu gehen, seine angeblich dort wartende Frau zu treffen. Als er wieder kam, hatte er kein Geld mehr. Die Frau und die Kinder bräuchten doch alles, sie haben ja nichts. Tami und ich sind ja in der Regel keine Unmenschen, aber irgendwo war das dann jetzt doch blöd. Da warten wir 2 Wochen, kommt der Typ an, gibt uns nen Teil, verspricht den Rest demnächst und dann braucht er den Teil doch wieder. Nächste Woche müssen die Frau u. Kinder doch auch wieder essen, oder nicht? Was ist denn jetzt los, wann willst du uns jetzt wie viel zurückzahlen?
Durch Fragen wie diese angegriffen und in die Ecke gedrängt wurde Kayanda laut und sagte dumme Sachen. Bei dem Satz „You know, this is Africa!” ward es sogar dem obersten Richter zu viel, der den Gauner packte, zum nächsten Polizisten brachte und dort wurde Kayanda bis zu unserer Anhörung ruhiggestellt, also weggesperrt. Vor dem wegsperren musste jedoch der Hosentascheninhalt geleert werden. Und siehe da, da kamen die 10000 Tsh zum Vorschein. Betrogen hat er uns, gesoffen hat er wieder und die Frau war wohl doch nicht da. In der Anhörung sagte der Richter zu Kayanda soviel wie, dass es ziemlich blöd sei, für das Land, für so ziemlich viel eigentlich, wenn er Weisse betrügt, die ihn zum Gericht schleppen, er sie wieder betrügt und dann behaupte, this sei Afrika. „Jetzt gehst du für die nächsten 3 Monate ins Gefängnis, this is Africa“ sagte dann der Richter. Und so war es dann auch. Entlassungsdatum geschätzt, 2. März. Unser nächster Gerichtstermin. Diesmal jedoch werden wir wohl dem Tapeli vergeben. 3 Monate Tansaniaknast sind glaube ich Strafe genug. Die Leute am Busbahnhof kennen uns nun und haben Respekt bekommen. Das zeigte sich auch, als ich nach dem Urlaub und den Seminaren in Arusha wieder ankam, mich wieder 1000 Leute umzingelten und irgendwas verkaufen wollten und einer dann sagte, du hast doch Kayanda ins Gefängnis gebracht. Auf einmal war Ruhe. Nach kurzer Erklärung, also inetwa Kayanda hat die beiden betrogen, jetzt sitzt er wegen denen für 3 Monate ein, wurden wir nicht weiter angesprochen.
Ps.: Inzwischen ist er schon nach nur 2 Monaten rausgekommen. Ich weiss nicht wie… Der Fall ist für uns nun endlich vorbei.